KfW fördert Biodiversity Offsets

Bereits vor 35 Jahren wurde das Washingtoner Artenschutzabkommen unterzeichnet, und doch ist das Thema – wie zuletzt auch die UN-Konferenz zum Schutz der biologischen Vielfalt in Bonn gezeigt hat – aktueller denn je, da der Verlust der Artenvielfalt ungebremst weiter voranschreitet. Ein möglicher Ausweg aus der Krise könnte die verstärkte Einbindung von Unternehmen und die Entwicklung kooperativer Lösungsansätze sein. In Deutschland geht dabei die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) mit gutem Beispiel voran.
11.07.2008
KfW-Zentrale in Frankfurt, Fotos 1 + 3: KfW
Franfurt/Main (UD) - Auf nationaler Ebene beteiligt sich die KfW an der vom Bundesumweltministerium ins Leben gerufenen Business and Biodiversity-Initiative und hat sich in diesem Zusammenhang dazu verpflichtet, den Schutz der biologischen Vielfalt in ihren Unternehmenszielen zu verankern und einen konkreten Beitrag zur Erreichung der UN-Konventionsziele zu leisten. Auf internationaler Ebene versucht die KfW durch ihre Mitwirkung am Business and Biodiversity Offset Program (BBOP) innovative Ansätze zum Erhalt der Artenvielfalt voranzutreiben. Doch was sind eigentlich „Biodiversity Offsets“?
 
Die KfW versteht darunter „Naturschutzmaßnahmen zur Kompensation von Eingriffen in die Natur, die sicherstellen, dass kein Nettoverlust an biologischer Vielfalt verursacht wird.“ Herauszufinden wie sich dieses Prinzip erfolgreich in die Praxis umsetzen lässt, versucht das Business and Biodiversity Programme, an dem die KfW – als einzige deutsche Institution – als Sponsor beteiligt ist und gleichzeitig im Beirat mitarbeitet. „Unser Bestreben ist es, das umfassende Wissen aus der deutschen Eingriffsregelung in die Arbeit von BBOP einfließen zu lassen“, erklärt Dr. Daniel Skambracks, Umweltsachverständiger in der Stabsstelle Nachhaltigkeit der KfW.

BBOP will die Wirtschaft aktiv in Maßnahmen zum Schutz der biologischen Vielfalt einbinden und bringt dabei so unterschiedliche Akteure wie etwa Shell und den WWF an einen Tisch. Ziel ist es, mittels Biodiversity Offsets sicherzustellen, dass durch Infrastrukturprojekte verursachte unvermeidbare Verluste an anderer Stelle so ausgeglichen werden, dass es im Idealfall einen Zugewinn, keinesfalls aber einen Nettoverlust an Artenvielfalt gibt. Zu diesem Zweck wollen die im BBOP zusammengeschlossenen rund 40 Unternehmen, NGOs, Regierungsbehörden, Forschungseinrichtungen und Finanzinstitutionen in konkreten Pilotprojekten die positiven Auswirkungen solcher Maßnahmen auf die biologische Vielfalt und den Erhalt der Lebensgrundlagen für die einheimische Bevölkerung aufzeigen und aus den dabei gemachten Erfahrungen Best Practices ableiten und verbreiten. Langfristig soll das Programm einen Beitrag dazu leisten, dass Biodiversity Offsets in Unternehmen, deren Geschäftstätigkeit spürbare Auswirkungen auf die Artenvielfalt hat, zur gängigen Praxis werden.


Foto: Marion Book
Dies macht nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich Sinn, ist Dr. Skambracks überzeugt. Überall dort, wo der Rückgang der Biodiversität zum Ausfall von Ökosystemdienstleistungen führe, liege ein Marktversagen vor. Auftrag der KfW sei es, dieses Marktversagen auszugleichen. „Wir glauben, dass standardisierte Kompensationsmaßnahmen einen wichtigen Beitrag dazu leisten können, Märkte für den Schutz von Biodiversität, deren nachhaltige Nutzung und den gerechten Vorteilsausgleich zu schaffen.“  Um sicherzustellen, dass der Kompensations-Ansatz nicht genutzt wird, um ökologisch fragwürdigen Projekten einen grünen Anstrich zu verpassen, legt BBOP großen Wert auf die Einhaltung der sogenannten Minderungs-Hierarchie. Demnach müssen trotz des Ausgleichs an anderer Stelle zunächst die am Projektstandort anfallenden Schädigungen so weit wie möglich verhindert, minimiert und ausgeglichen werden. Wie das funktionieren kann, zeigt beispielhaft ein Pilotprojekt in Südafrika, in dem der weltgrößte Platinproduzent Anglo Platinum mit der Naturschutz-NGO „Botanical Society of South Africa“ zusammenarbeitet.

Ziel ist es, den durch die Erweiterung einer bestehenden Platinmine anfallenden Verlust von rund 2400 Hektar Savannenlandschaft durch die Einrichtung eines knapp 5400 Hektar großen Schutzgebiets mit ähnlichen ökologischen Bedingungen zu kompensieren. Im Sinne der Minderungs-Hierarchie wurde sichergestellt, dass beim Ausbau der Mine ein Sicherheitsabstand von 100 Metern zu zwei durch das Gelände verlaufenden Flüssen eingehalten wird, keine neuen Straßen gebaut werden und heilige Stätten der lokalen Bevölkerung unangetastet bleiben. Um die Auswirkungen des Projekts auf weitgehend unberührte Landstriche zu minimieren, wurden sowohl für den Ausbau der Mine als auch für die Einrichtung des neuen Schutzgebietes Areale gewählt, die durch menschliche Einflüsse ökologisch ohnehin bereits belastet waren. Durch die notwendige Umsiedlung der lokalen Bevölkerung sind neben ökologischen auch soziale Kompensationsmaßnahmen erforderlich.


Beides ist eng miteinander verbunden. Den betroffenen Familien werden neue Häuser und Land sowie Zugang zu sauberem Wasser, Sanitäreinrichtungen und dem Straßennetz bereitgestellt. Zudem werden sie aktiv in die ökologischen Ausgleichsmaßnahmen eingebunden. Neben der Wiederansiedlung heimischer Tier- und Pflanzenarten sollen so vor allem die Ursachen einer armutsbedingten Umweltzerstörung beseitigt werden und die lokale Bevölkerung – etwa durch die nachhaltige Nutzung von Wildtierbeständen und wiederaufgeforsteten Arealen zur Gewinnung von Feuerholz – auch wirtschaftlich von den Kompensationsmaßnahmen profitieren können.
 
Die KfW ist bislang an keinem der laufenden BBOP-Pilotprojekte direkt beteiligt, hält aber kontinuierlich Ausschau nach geeigneten Vorhaben. Von der Zukunftsträchtigkeit des Ansatzes ist Dr. Skambracks in jedem Fall überzeugt: „Langfristig wird sich hieraus ein Markt entwickeln, der den heutigen „Carbon Markets“ ähnelt, zum Vorteil für die biologische Vielfalt. Das wollen wir anschieben.“


Weitere Artikel zum Thema:

Im Blickpunkt: KfW Bankengruppe
Copyright © Verlag UmweltDialog 2002-2008