China & Wasser 1: Grüne Barrieren gegen die Wüste
Parks mit exotischer Blütenpracht und gepflegte Grünanlagen bilden die Kulisse der Olympischen Spiele in Peking. Die Ressource Wasser, die diese botanische Üppigkeit möglich macht, ist in der Volksrepublik jedoch ein knappes Gut. Um der Ausbreitung der Wüste Einhalt zu gebieten, vereinen das Bremer Unternehmen WATERMAN, das ttz Bremerhaven und das Zentrum für Umweltforschung und nachhaltige Technologien (UFT) der Universität Bremen ihre Kräfte und Kompetenzen. Sie entwickeln in der zweijährigen Laufzeit ein integriertes Konzept für effizientes Bewässerungs-, Vegetations- und Bodenmanagement.
27.08.2008
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Das staatliche Programm der Volksrepublik zur Bekämpfung der Desertifikation sieht bis 2010 die Anlage von insgesamt 40 Millionen ha Grüngürteln vor. Damit könnten die grünen Wälle ebenso prägend für das Land werden wie die Große Mauer. Um die beste Effizienz einer Anpflanzung zu erreichen, ist die Berücksichtigung zahlreicher Faktoren erfolgsentscheident.
Ingenieurwissenschaftliches Know-how aus dem Land Bremen soll zur Entwicklung eines neuartigen Konzeptes für das Vegetationszonen-Management beitragen. Im Rahmen des vom Bundeswirtschaftsministeriums geförderten Projektes „DesertDrip“ vereinen das Bremer Unternehmen WATERMAN, das ttz Bremerhaven und das UFT der Universität Bremen ihre Kompetenzen. Auf einer Testfläche des Chinesischen Forstwissenschaftlichen Instituts (Academy of Forestry Science Hohhot) in der inneren Mongolei wird eine Kombination aus Bewässerungs-, Erosionsschutz und Bepflanzungsmanagement entwickelt, die auch den regional üblichen extremen Klimaschwankungen widersteht. Die inhaltlichen Schwerpunkte sind dabei wie folgt auf die drei Akteure aus dem Land Bremen verteilt:
- Bepflanzungsmanagement
Aufgabe des ttz Bremerhaven ist die Auswahl, Kombination und Anordnung regionaler Pflanzen in den Vegetationsgürteln. „Für einen langfristigen Erfolg dieser ausgewählten Pflanzengemeinschaften müssen neben den wissenschaftlichen Kriterien wie Erosionsschutzleistung und eingesetzte Wasser-, und Nährstoffmenge auch Nutzungs- und damit Einkommensmöglichkeiten wie z.B. durch Verkäufe von Holz und Früchten, für die lokale Bevölkerung berücksichtigt werden.“, erläutert Mirko Hänel, kaufmännischer Leiter des Wasser-, Energie und Landschaftsmanagement am ttz Bremerhaven die Anforderungen an die Pflanzungen.
Trockenheits- oder salzresistente Pflanzenarten sind aufgrund ihres langsamen Wuchses als Windbarriere nicht optimal. Schnellwachsende Bäume wie Pappeln oder Weiden sind als Monokulturen dagegen sehr anfällig. Eine Mischung von heimischen Baum- oder Pflanzenarten verleiht der Pflanzung Stabilität und erhöht die Biodiversität einer Region. Auch als attraktive Lebensräume für Nutztiere wie Bienen sollen die Vegetationszonen Mehrwert schaffen.
„Für den Einsatz in Nordchina nutzen wir unsere Erfahrungen aus der chinesischen Gansu-Provinz und Lateinamerika und stimmen die Bewässerung noch exakter auf die Bedürfnisse der einzelnen Arten ab. Die Ergebnisse fließen in ein marktfähiges Konzept ein, das auf weitere Regionen übertragbar ist“, bilanziert die Projektleiterin Alexandra Oberdieck vom ttz Bremerhaven.
- Bewässerungsmanagement
Mit dem dip-stick-System, das 2004 unter den Finalisten zum Bremer Umweltpreis war, will die Firma WATERMAN die Wasserökonomie der Windschutzpflanzungen verbessern. Durch eine Bewässerung an die Pflanzenwurzeln können Verdunstungsverluste und Bodenversalzung minimiert werden. Zugesetzte Nährstoffe kommen auf diese Weise in vollem Umfang der Pflanze zugute. Die Forschungsergebnisse aus China werden für die Optimierung des Systems durch WATERMAN genutzt.
- Erosionsschutz
Das ReviTec®-Verfahren des UFT/Universität Bremen erhöht den Erosionsschutz an den Vegetationsstreifen. Aus für Pflanzenwachstum ungeeignetem Substrat wird mit Kompost, Bodenzuschlagstoffen (z.B. mineralischen, und organischen Wasserabsorbern) und Bioaktivierung (Zusatz von Standort-typischen Pflanzensamen und Bodenorganismen) eine „belebte Erde“ als Pflanzenbett geschaffen. Das Anwachsen von Pflanzen wird erleichtert, Bodenzuschlagstoffe und Organismen stabilisieren den Nährstoff und Wasserhaushalt.
Das Methodenwissen, das die Projektpartner auf dem Testgelände des Chinesischen Forstwissenschaftlichen Instituts entwickeln, wird an die lokale Bevölkerung weitergegeben. Die frühzeitige Einbindung von Anwohnern sowie abschließende Schulungen werden dazu beitragen, zeitnah von dem Fortschritt zu profitieren. Das Projekt „DesertDrip“ verbessert damit die Ernährungssicherheit der Landbevölkerung und trägt zur Reduktion der Landflucht bei. Dadurch sollen sich soziale und humanitäre Probleme in den Ballungsgebieten nicht weiter verschärfen. Auch aus ökologischer Sicht ist jede erhaltene Siedlung im Hinterland ein Gewinn, da sie der Wüstenausbreitung eine Barriere entgegensetzt. Bodenstabilisierende Anpflanzungen verringern die Angriffsfläche der Erosionskräfte.







